Historisches Rathaus - Glasglockenspiel
Marktplatz mit Postmeilensäule und Marktbrunnen

Der Marktplatz, welcher in seiner grundlegenden Form und Bebauung ein mittelalterlicher Marktplatz ist, wurde im Jahr 2000 neu gestaltet. Mitten darauf tummelt sich eine Sau mit ihren Frischlingen am Wasser – eine Reminiszenz an das Flüsschen die „Wilde Sau“, das das Städtchen quert. Rings um den Markt strahlen die Häuser mit ihren sanierten Fassaden. Die meisten der Häuser wurden nach dem großen Stadtbrand von 1744 (wieder-) erbaut, einige wenige um die vorletzte Jahrhundertwende vergrößert, die aber, auch wenn sie Elemente des Jugendstils erkennen lassen, doch inzwischen über 100 Jahre alt sind.

Die Straßenführung lässt noch heute einen wesentlichen Grund dafür erkennen, dass sich Wilsdruff besser als die im gleichen Zeitraum gegründeten Dörfer der Umgebung entwickeln konnte und zur Stadt geworden ist. Der Marktplatz wurde dort angelegt, wo sich zwei, schon im 12. Jahrhundert wichtige, Verkehrsverbindungen kreuzten. Von Meißen, dem Bischofs- und Markgrafensitz, führte die Straße über Wilsdruff – Tharandt oder Dippoldiswalde ins Böhmische nach Prag, während die Straße von Dresden, damals noch über Pennrich, Kaufbach, Wilsdruff, die Verbindung zu dem Kloster Altzella bei Nossen und weiter in das Innere des Landes herstellte.

Der Magister Adam Friedrich Zürner, königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Land- und Grenzcommissarius, der vom Kurfürsten August dem Starken den Auftrag erhalten hatte, alle Poststraßen des Kurfürstentums zu vermessen, hatte 1723 von Wilsdruff vier Säulen mit „Distanzinschriften“ verlangt, die vor die Stadttore gesetzt werden sollten. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich 1730 darauf, nur eine Postmeilensäule als Marktsäule zu setzen. Diese enthielt Entfernungsangaben nach Orten in alle vier Himmelsrichtungen.

1884 wurde die Wilsdruffer Säule abgebrochen und auf der Steinrücke in Niederreinsberg aufbewahrt. Auf Betreiben des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz wurde sie zurückgekauft und 1937 wieder aufgestellt. Sie stand zunächst an der Ecke Freiberger Straße/ Scheunenstraße, ab 1971 an der Ecke Nossener Straße/ Gezinge, bevor sie 1998 an ihren jetzigen, den ursprünglichen Standort umgesetzt wurde.

Historisches Rathaus mit Glasglockenspiel

Im Jahre 1546 kam das Rathaus in das Eckgrundstück an der höchsten Stelle des Marktplatzes (266 m über NN). Vermutlich war es ein nicht sehr großer, zweistöckiger Fachwerkbau mit einem Dachreiter, umzogen von engen, schmalen Gassen. Es brannte jedoch im Laufe der Geschichte mehrfach ab. Das letzte Mal ging das Rathaus beim Stadtbrand am 5. Juni 1744 in Flammen auf und wurde bis auf die Grundmauern zerstört. In seiner heutigen Form konnte es erst 1755/56 nach Plänen des kurfürstlich-sächsischen General-Akzise-Baudirektors und Architekts Samuel Locke wieder aufgebaut und 1758 durch die Stadt eingeweiht werden.

Historische Bedeutung erhielt das Bauwerk, als am 24. November 1762 die  Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Preußen und Österreich dort geführt wurden, die zum Ende des Siebenjährigen Krieges führten.

Nach der letzten Restaurierung wurde es 2003 erneut eingeweiht. Im Gebäude werden seither der Ratssaal für Stadtratssitzungen und die Räumlichkeiten im Erdgeschoss für Trauungen genutzt.

Überregional bedeutsam ist das im Turm befindliche Glasglockenspiel. Es ist das weltweit erste Turmglockenspiel mit Glasglocken. Die innovative Idee, den Werkstoff Glas für die Herstellung eines architekturgebundenen Glockenspiels zu verwenden, geht auf Klaus Ferner, Fa. Turmuhrenbau Meißen, und Günter Schwarze, Professor an der Musikhochschule in Dresden, zurück.

Die bisher üblichen Glockenspielinstrumente bestehen aus Bronze, Eisen, Stahl oder Porzellan, aber noch nie wurde Glas verwendet. Die rubinroten Glockenrohlinge lieferte eine Glashütte in Lauscha (Thüringen). Um einen harmonischen Klang zu erreichen, mussten die Glocken entsprechend bearbeitet werden. Das Glockenspiel, das sich mit seiner rubinroten Farbigkeit gut in die Wappenachse des Rathauses einordnet, wurde am 19. September 2003 feierlich eingeweiht.

Die Melodien sind den Jahreszeiten angepasst oder können bei besonderen Anlässen ausgewählt werden, z. B. für Brautpaare, die im Standesamt im Rathaus heiraten.

 

Ostersonntag

09:05 Uhr

Wilsdruffer Heimatlied

bis 20. Juni     11:05 Uhr Komm lieber Mai und mache
13:05 Uhr Üb immer treu und Redlichkeit
15:05 Uhr Nun will der Lenz uns grüßen
17:05 Uhr Großer Gott, wir loben Dich
19:05 Uhr Guten Abend, gut Nacht
 21. Juni 09:05 Uhr Wilsdruffer Heimatlied
 bis 22. September     11:05 Uhr Geh aus mein Herz
13:05 Uhr Freude schöner Götterfunken
15:05 Uhr Wir binden Dir den Jungfernkranz
17:05 Uhr Großer Gott, wir loben Dich
19:05 Uhr Guten Abend, gut Nacht
 23. September 09:05 Uhr Wilsdruffer Heimatlied
 bis 28. November     11:05 Uhr Bunt sind schon die Wälder
13:05 Uhr Freude schöner Götterfunken
15:05 Uhr Bunt sind schon die Wälder
17:05 Uhr Großer Gott, wir loben Dich
19:05 Uhr Guten Abend, gut Nacht
 1. Advent 09:05 Uhr Wilsdruffer Heimatlied
 bis 6. Januar     11:05 Uhr O, du fröhliche
13:05 Uhr  O Tannenbaum
15:05 Uhr Schneeflöckchen
17:05 Uhr Großer Gott, wir loben Dich
19:05 Uhr Sind die Lichter angezündet ...

Weitere Informationen erhalten Sie in der Broschüre „Ein Stadtrundgang durch Wilsdruff - Historie und Gegenwart, Erreichtes und Geplantes der Stadtkernsanierung“ oder bei einem Stadtrundgang durch Wilsdruff.

Rathaus Wilsdruff
Adresse:
Markt 1, 01723 Wilsdruff